Mittwoch, Dezember 17 2025

Divemaster Ausbildung in Utila

Die Sonne brät vom Himmel, direkt auf meinen Kopf. Der Schweiss tropft mir von der Stirn, mein Neoprenanzug saugt sich langsam damit voll und wärmt mich so völlig unnötigerweise noch mehr auf. Das Boot schwankt und ich muss auf den Horizont schauen, damit mir nicht schlecht wird. Die Taucherbrille sitzt auf dem Gesicht und ich bin ready um ins kühlende Nass zu springen. In den zwei Monaten die wir auf Utila verbrachten würde ich noch lernen, dass ich den Neopren auch weglassen kann und mir so viel weniger schnell heiss und damit schlecht werden würde. Doch alles von vorne.

Divemaster – Utila!

Lisa hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, den Divemaster zu machen – nicht unbedingt, um später mal als Tauchprofi zu arbeiten, sondern einfach, um ihre Skills zu verbessern und richtig tief einzutauchen. Auf früheren Reisen war dafür nie so richtig Zeit oder Ruhe, aber diesmal war alles anders: Ohne Zeitdruck, ohne festen Plan – genau der richtige Moment, um so ein Projekt anzugehen. Ausserdem hatten wir nach all dem Herumgereise in Kanada, den USA und Mexiko richtig Lust, mal wieder für eine Weile an einem Ort zu bleiben, einen geregelten Alltag zu haben – und was passt da besser als ein paar Monate Tauchen, Sonne und Meer?

Die Idee war also geboren, und noch während wir in Mexiko im Valle de Bravo zwischen Berg und See sassen, begannen wir zu recherchieren. Relativ schnell stiessen wir auf Utila – eine kleine Karibikinsel vor Honduras, die unter Tauchern bekannt ist. Die Bedingungen dort klangen ziemlich perfekt: Man kann die Divemaster-Ausbildung machen, ohne gleichzeitig als unbezahlter Praktikant arbeiten zu müssen und hat so wirklich Zeit, um sich aufs Tauchen zu konzentrieren. Dazu ist Utila auch noch viel günstiger als viele andere Orte (etwa halb so teuer wie Mexiko zum Beispiel) und man kann dort im Rahmen der Ausbildung so oft tauchen gehen, wie man möchte – zumindest bei der von uns gewählten Tauchschule. Als ob das nicht schon genug wäre, gibt es noch sogar lebenslang kostenloses Fun Diving für ehemalige Schüler oben drauf – klingt fast zu gut, um wahr zu sein.

Utila

Utila ist eine kleine Karibikinsel vor der Nordküste von Honduras, die nur etwa 13 Kilometer lang und 4.5 Kilometer breit ist und rund 5000 Einwohner zählt. Der Grossteil der Bevölkerung lebt auf der windgeschützten Südseite der Insel, die das Zentrum des Insellebens bildet. Hier reihen sich Restaurants, Bars, Läden und vor allem zahlreiche Tauchschulen aneinander, denn Utila ist international schon seit Jahrzehnten bekannt als ein beliebtes Ziel für Tauchende – nicht zuletzt wegen seiner Nähe zum zweitgrößten Korallenriff der Welt, dem Mesoamerican Barrier Reef. Aus unserer Sicht schien sich auf der Insel eigentlich alles ums Tauchen zu drehen – Touristen ohne Bezug zum Tauchen sah man praktisch keine. Und ein guter Teil der Tauchenden war wohl auch für eine Ausbildung da – sei es als Einsteiger, Divemaster Trainee oder Instructor.

Der Divemaster im UDC

Unsere Divemaster-Ausbildung (kurz DM) auf Utila war eine intensive, manchmal etwas chaotische, aber einzigartige und unvergessliche Erfahrung. Wir hatten uns für das Utila Dive Center (UDC) entschieden – hauptsächlich, weil es einen sehr professionellen Eindruck machte, zu den grössten und bekanntesten Tauchschulen auf der Insel und in der ganzen Region gehört und einen guten Ruf in Sachen Ausbildungsqualität hat. Außerdem lockte das UDC mit einem Extra: lebenslang kostenloses Fun Diving für alle, die dort eine professionelle Ausbildung abgeschlossen haben (wozu der Divemaster gehört) – und das ist dann doch ein ziemlich gutes Argument fürs UDC.

Bevor es mit dem Divemaster losgehen konnte, mussten wir beide noch ein bisschen „Hausaufgaben“ machen: Ich hatte bis dahin nur den Open Water und gerade mal 15 Tauchgänge und musste deshalb zuerst noch den Advanced Open Water und den Rescue Diver absolvieren, sowie auf 40 Tauchgänge kommen (eine Bedingung um den DM zu beginnen). Lisa war mir wie immer schon zwei Schritte voraus und musste nur noch den Rescue-Kurs machen, bevor es mit dem eigentlichen DM-Programm losging. Gleich zu Beginn bekamen wir ein kleines Divemaster-Heft im A4 Format in die Hand gedrückt – voll mit Aufgaben, Erklärungen und einem Überblick darüber, was alles auf uns zukommen würde. Dazu ein obligates T-Shirt (im UDC erhält man als Erinnerng für jeden absolvierten Kurs mindestens ein T-Shirt) und ein Täschchen mit biologisch abbaubaren Produkten wie Shampoo, Lippenpommade, Sonnencreme, Après Soleil und Defog (Defog schmiert man vor dem Abtauchen in die Taucherbrille, damit sie unter Wasser nicht beschlägt – oft kommt dafür aber auch einfach der eigene Speichel zum Einsatz).

Das UDC läuft in Sachen Divemaster wie eine gut geölte Maschine (Ketzer würden es eine DM Fabrik nennen 😉 ) – jede Woche startet eine neue Gruppe mit etwa zwei bis sechs Leuten (zumindest war das so als wir da waren, was wohl auch etwa die Hauptsaison traf). So lernt man seine Gspändli kennen und hängt die nächsten Wochen ziemlich intensiv zusammen ab. In den ersten zehn Tagen ging es vor allem um Theorie: Wir mussten verschiedene Lernvideos online anschauen, dazugehörige Fragen beantworten und das Ganze dann noch einmal gemeinsam im Klassenzimmer besprechen – mit Kommentaren und Ergänzungen von einem der uns zugeteilten Instructors. Dazu kamen zwei Multiple-Choice-Prüfungen, die man bestehen musste, bevor es mit dem nächsten Teil weitergehen konnte.

Parallel zur Theorie gab es auch schon die ersten praktischen Übungen. Wir lernten, wie man die Tauchausrüstung aufs Boot lädt, spzifische Knoten knüpft (sheet bend, bowline, two half hitches), das Boot an einer Boje festmacht oder ein Boat Briefing gibt (also den Gästen erklärt, was es an Bord alles hat und auf was man achten soll). Da gab es auch den Schwimmtest – bei dem man demonstrieren musste, dass man in einer gewissen Zeit 400 m schwimmen kann oder den Skill-Circuit, bei dem man gewisse Tauchskills vorführen musste als wäre man ein Instruktor. Als Illustration, was man sich darunter vorstellen muss hier das Trainingsvideo das das UDC einem zur Verfügung stellt zum Üben. Ausserdem gelat es eine Karte einer Divesite zu zeichnen und noch ein paar andere Aufgaben zu efüllen.

Nach den Theorie- und Übungsteilen mussten wir dann bei zwei Kursen assistieren – einmal bei einem Open Water, einmal bei einem Advanced-Kurs – und zusätzlich noch eine Gruppe Fun Diver guiden, als wären wir eben richtige Divemasters. Diese praktischen Teile geben einem schon etwas ein Gefühl dafür, wie es so wäre als Divemaster oder sogar Instruktor zu arbeiten. Zum Beispiel an was es alles zu denken gilt, sowohl über als auch unter Wasser, in der Vor- und Nachbereitung, wie man eine Gruppe von Leuten unter Wasser führt und mit ihnen kommuniziert, ohne sprechen zu können und so weiter.

Den krönenden Abschluss der Ausbildung nach 4-5 Wochen bildete die „Graduation Party“, bei der natürlich nicht einfach nur mit Sekt angestossen wurde, sondern ein spezieller Skill Circuit auf dem Programm stand. Diese Graduation Parties sind im UDC jeweils ein kleines Happening. Abends, wenn es dunkel ist versammeln sich Instruktoren, Gäste, DMs und DM Trainees alle vor der Bar und warten gespannt darauf, was dieses Mal passieren wird. Die DM Trainees die abschliessen, müssen dann verschiedene Spiele absolvieren und jede Runde fallen einige Leute raus, bis am Schluss nur noch ein Gewinner, eine Gewinnerin da steht. Da wir zu sechst als abschliessende DM Trainees waren, spielten wir die ersten beiden Runden als Teams. Lisa und ich traten zusammen gegen Hunter und Rachel, sowie Sunny und William an. Beim Blind Gear Setup musste eine Person in jedem Team eine mit Klebeband komplett verdunkelte Taucherbrille anziehen (das übernahm in unserem Team Lisa), während der anderen Person ein Schnorchel in den Mund gesteckt und die Hände hinter dem Rücken zusammengebunden wurden (ich). Dann musste man gemeinsam unter Zeitdruck eine komplette Ausrüstung (Tank, BCD und Regulator) zusammensetzen. Der Witz an der Sache war, dass man die Einzelteile erst noch finden musste – sie waren nämlich versteckt!

Als es auf 3-2-1 los ging preschte Lisa sofort los und ich musste ihr erst mal nach rennen, doch im ganzen Getümmel und Lärm der Menge um uns herum gelang es nicht wirklich zu kommunizeren und so rannte sie schnurstraks in richtung Bar davon und in die Menge hinein. Ich konnte nur nachrennen und durch den Schnorchel in meinem Mund sagen: nein, nein, nicht hierhin, zurück! Worauf Lisa nur nach rechts abbog, aber da war nur ein Barhocker und mehr Leute! Irgendwie schafften wir es wieder aus dem Gemenge hinaus. Das muss wirklich ziemlich ulkig ausgesehen haben wie wir da zu Zweit in der Menge feststeckten, Lisa blind und ich unfähig sie in die richtige Richtung zu lenken! Auf jeden fall sorgten wir für einiges Gelächter. =) Schliesslich gelang es uns, uns zu befreien und wir torkelten zurück in die Richtung wo die anderen Teams bereits das Equipment entdeckt hatten. Lisa tastete sich herum während ich relativ nutzlos daneben stand und nicht viel beitrug. Schliesslich schnappte sie sich BCD und Regulator und wir gingen zurück zum bereits aufgestellten Tank. Dort setzte sie alles zusammen, tifig wie eh und je und so waren wir sogar noch vor den anderen beiden Teams fertig!

In der zweiten Runde ging es darum, hinter dem Rücken Knoten die wir im Rahmen des DMs gelernt hatten zu binden. Beide bekamen eine Schnur, wurden mit dem Rücken zueinander hingestellt und mussten gemeinsam hinter dem Rücken die verschiedenen Knoten knüpfen – also ohne etwas zu sehen. Da war Lisa im Element. In sekundenschnelle hatte sie alle Knoten perfekt gemacht – ich hielt meine Schnur nur für sie hin und zackzack war der Knoten da, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht! Ich war schwer beeindruckt und so lag es klarerweise an Lisa, dass wir gemeinsam im Final landeten.

Ich sagte mir: Nachdem du jetzt in den ersten beiden Runden fast eher Hindernis als Hilfe warst, musts du jetzt zeigen dass du schon auch etwas kannst! Mein Pech, da es im letzten Spiel nämlich mehr darum ging, die Teilnehmenden vor versammelter Menge zu blamieren als wirklich einen Skill zu zeigen! Was das Spiel war fragt ihr? Sie nannten es «No Defog on Board»!

Der Moderator erklärte das Spiel so: Stell dir vor, du bist als Divemaster draussen auf dem Meer, ihr seid gerade an der Divesite angekommen. Da stellst du entsetzt fest, dass du das Defog zu Hause liegen lassen hast. Was tun? Deine 6 Fun Divers schauen dich erwartungsvoll an, mit ihren Taucherbrillen in händen – sie wollen alle Defog. Verdammt! Was tust du da? Wer schon mal tauchen war weiss vielleicht, was nun kommt. Denn ja, meine Freunde, auch Spucke geht als Defog! Nur… Spucke für 6 Brillen..! In diesem Moment zog der Moderator zwei Shotgläser hinter seinem Rückem hervor und reichte sie uns mit einem fiesen Grinsen. Eine Minute – wer generiert mehr natürliches Defog? Uuuuuääääääääk! Ziemlich wiederlich. Aber auch irgendwie witzig. Falls ihr euch jetzt fragt, wer gewann… das bleibt unser Geheimnis. 😉

1 comment

  • Herzlichen Dank für eure Berichte Heidi Geistlich has written:

    Liebe Tauchfriks,
    Toll, was Ihr alles erlebt, macht weiter so! Hier ist im quasi hohen Alter nicht mehr so viel zu erwarten, darum macht weiter sooo!
    Bald gibt’s Lunch, Mittagessen. Mein Hunger ist trotz Alter nicht vergangen! Euere Berichte freuen uns sehr. Bleibt gesund, glücklich und froh, damit alles gut gelingt bei guter Gesundheit!

    Herzliche Grüsse von der alten Welt!
    Heidi

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