Ein Tag wie jeder Andere in Utila
Ein normaler Tagesablauf auf Utila
Ein durchschnittlicher Tag hier beginnt früh, so gegen 6 Uhr. Die Sonne ist dann schon über dem Horizont, brät aber noch nicht so vom Himmel wie später am Tag. Noch ist es still und die Luft einige Zehntelgrad kühler als tagsüber, wenn überhaupt. Hitze und Überhitzung sind ein grosses Thema hier auf Utila (vorallem für mich, der mit Hitze viel weniger gut zu Gange kommt als Lisa). Sobald man aus dem mit AC gekühlten Schlafzimmer in die Küche tritt beginnen gefühlt schon die Schweissporen zu arbeiten. Ein Grund weshalb wir praktisch immer mit einem eisigen Smoothie in den Tag starten. Noch im halbschlaf mixe meist ich diesen jeweils aus gefrorenen Bananen, Papaya, Ananas, Wassermelonen und manchmal – wenn wir welche ergattern konnten – Maracuya. Dazu kommen ein paar Eiswürfel und manchmal etwas Erdnussbutter. So entsteht ein herrlich kaltes, fruchtig süsses Smoothie, dass sich meist besser löffelt denn trinkt, so cremig ist es dank den gefrorenen Zutaten. Hier in den Tropen sind Mixer und Gefrierer die wichtigsten Bestandteile einer Küche. Spätestens nach dem ersten Smoothie-induzierten Brain Freeze bin ich dann wach, meist aber schon bevor der Wecker läutet. Manchmal bereite ich, nachdem ich das Smoothie bei Lisa im Bett abgeliefert habe, ein Sandwich aus ihrem herrlich duftenden, selbstgebackenen Brot vor, belegt mit Avocado und Tomaten, selbstgemachten Hummus oder Erbsenmus – perfekt für ein späteres Frühstück draussen auf dem Meer. Oft wandert ein Stück frisches oder gefrorenes Bananenbrot auch noch in die Tasche – kleine, feine Energiebooster für unterwegs können nie schaden. So sind wir gerüstet für den Tag.






Zwischen 6:30 und 6:45 gehen wir dann los – zu Fuss sind es nur etwa fünf Minuten bis zur Marina, wo die Boote des UDC vertäut liegen. Dort beginnt der «Boat Load»: Sobald alle Instruktoren, Divemasters und Divemaster Trainees eingetroffen sind holen wir die richtige Anzahl gefüllter Tauchflaschen aus dem Lager, überprüfen den Druck, und tragen sie aufs Boot. Zu diesem Zeitpunkt ist man normalerweise schon das erste Mal nassgeschwitzt, denn zusammen mit der Sonne sind auch die Temperaturen bereits recht weit nach oben geklettert und meist ist es morgens ziemlich windstill. Danach tuckern wir gemütlich fünf Minuten zum UDC, wo unser blau-gelbes Boot wieder vertäut wird. Wir holen unsere persönliche Ausrüstung (Regulator, BCD, Flossen, Maske und so weiter), machen unser Equipment tauchbereit, füllen den Trinkwasserkanister des Boots und schreiben uns auf die Liste der Bootscrew (damit man draussen auf dem Meer immer kontrollieren kann, dass auch sicher alle vom Tauchgang zurück an Bord sind). Bis alle Gäste und Tauchschüler eingetroffen sind, bleibt oft noch ein bisschen Zeit. Manchmal gönnen wir uns ein warmes Pastelito (frittierte Teigtasche, gefüllt mit Käse und Bohnen) von der Bar, plaudern mit unseren Dive-Master-Kollegen und trinken dazu einen Tee oder Kaffee. Als absoluter nicht-Morgenmensch ist dies meistens der Moment an dem Lisa langsam aufwacht.




Gegen 8 Uhr kommt dann das Startsignal vom Kapitän. Wir lösen die Leinen und fahren los – je nach Tauchplatz dauert die Fahrt zwischen 20 Minuten und einer Stunde. Oft sitzen wir vorne auf dem Bug, genießen den Fahrtwind, sprechen mit den Anderen oder lassen Blicke und Gedanken über den Horizont schweifen. Sonnencreme ist Pflicht, denn draussen auf dem Meer brennt die Sonne gnadenlos – auch schon am Morgen. Der UV Index klettert mittags immer auf einen Wert von 12, was das höchste ist was ich je gesehen habe.









Am Tauchplatz angekommen wird das Boot an einer Boje fixiert. Wir helfen Kursteilnehmern und Fun Divers beim Einstieg ins Wasser, und machen uns selbst bereit für unseren Tauchgang. Als Divemaster Trainees sind wir im Wasser auf uns allein gestellt und müssen unseren eigenen Tauchplan aushecken. Das ist eine tolle Sache, denn so kann man total unabhängig unterwegs sein und muss sich nicht nach einer grösseren Gruppe richten. Lisa und ich sind sehr oft zu zweit unterwegs, manchmal auch mit unseren Freunden Michael (der auch fotografiert) und/oder Rachel (die ein ähnlich gutes Talent hat wie Lisa, coole Dinge zu erspähen), was eine ganz gute Kombination ist, da wir ähnliche Vorstellungen haben davon, was einen guten Tauchgang ausmacht. Nach 45 – 60 minuten Tauchen klettern wir wieder an Bord des Boots und fahren zum nächsten Tauchplatz. Meist dauert das nicht mehr als 15 Minuten. Dort wiederholt sich das Prozedere. Die Rückfahrt zum UDC beginnt je nach Gruppengrösse, Tauchplatz und Kurs gegen 11 bis 12:30 Uhr. Nach dem Abladen der Gäste und Kursteilnehmer tuckern wir wieder zurück in die Marina und entladen die leeren Tauchflaschen.













Dann kommt ein (für mich zumindest) unliebsamer, aber wichtiger Part: über die glühend heisse Strasse zurück ins UDC watscheln (was vorallem schmerzhaft ist, wenn man seine Flipflops vergessen hat) und die eigene Ausrüstung in den Rinse Bins gründlich auswaschen – Salzwasser ist gnadenlos korrosiv, was sich an meinem Kameragehäuse leider schon nach wenigen Wochen mit etwas Flugrost bemerkbar macht. Danach gehts in den wohlverdienten Mittag, wenn man so will. Manchmal machen wir bei uns zu Hause Restenverwertung, einen frischen Salat oder Quesadillas. An anderen Tagen gönnen wir uns für drei Franken eine oder zwei der grossen Baleadas (Tortillas, Belegt mit Bohnen, Ei, Avocado, Salat, Tomaten, Käse und scharfer Sauce und in der Mitte gefaltet) bei einem der kleinen, einfachen, lokalen Restaurants Mama Rosa oder La Casita, oder eine leckere Rice Bowl im UDC für etwa fünf Franken.
Der Nachmittag ist unterschiedlich: Manchmal machen wir einen kleinen Ausflug, ein Bad im Meer oder erledigen ein paar Dinge am Computer. Da das WLAN bei uns zu Hause total unzuverlässig ist, setzen wir uns dafür oft in eines der klimatisierten Klassenzimmer im UDC – dort ist das Internet stabiler und die Atmosphäre angenehm ruhig. Gegen 17:15 Uhr sind wir wieder im UDC, denn dann ist Boat Signup, der Moment an dem man sich einschreiben kann um am nächsten Tag tauchen zu gehen.
Abends essen wir entweder gemütlich zu Hause oder treffen uns mit Tauchfreunden in einem der verschiedenen Restaurants auf Utila. Meistens sind wir schon gegen 21:30 todmüde – die Mischung aus frühem Aufstehen, brennender Sonne, Salzwasser, körperlicher Aktivität und überschüssigem Stickstoff im Blut vom Tauchen fordert ihren Tribut. Sobald die AC den Raum auf eine ertragliche Temperatur heruntergekühlt hat, schlafen wir ein – bereit, am nächsten Morgen wieder in diesen einfachen, intensiven und wunderschönen Rhythmus zu starten.





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